Schon seit dem Fortschritt der
Finanzkrise kennen die Leitzinssätze der Industriestaaten praktisch nur eine
Richtung: Nach unten. Trotz einer zwischenzeitlichen Anhebung ist mittlerweile
in Europa der historische Tiefpunkt von 0,75% erreicht, in den USA ist man
sogar noch radikaler vorgegangen. Zusätzlich wurde durch diverse
unkonventionelle Methoden und Ausweitung bestehender geldpolitischer Kanäle
zusätzlich massiv Liquidität in den Markt geflutet, um so einerseits das
Bankensystem zu stützen und andererseits um den notleidenden Staaten die
Refinanzierung zu verbilligen. Offiziell steht natürlich die Bekämpfung
deflationärer Tendenzen im Vordergrund.

Dies hat zur Folge, dass die
Zinsen für Einlagen, seien es Tages- und Festgelder oder aber Sparbücher
ebenfalls sinken. Banken habe es nicht nötig, durch bessere Konditionen die Einlagen
der Kunden anzuziehen, die benötigten Mittel kommen einfach von der Zentralbank
- und das nahezu zum Nulltarif. Dies schlägt sich in seit 2009 radikal
verminderten Zinssätzen auf Einlagekonten nieder. Gleichzeitig verharrt die
Inflationsrate aber über dem Zielwert von unter aber nahe bei 2%,. Wer nicht
diese 2,X% jedes Jahr verdient, der verliert an Kaufkraft. Dieser schleichenden
Enteignung zu entgehen ist nicht einfach. Zwar gibt es vereinzelt noch
Angebote, die leicht über 2% liegen, doch muss man berücksichtigen, dass der
Staat von diesen nominalen Zinserträgen noch einmal 25% Kapitalertragssteuer
abzieht, dazu kommen dann noch Soli und ggf. Kirchensteuer. Unter dem Strich
ist es damit schwierig – wenn nicht gar unmöglich – die benötigte Rendite zu verdienen.
Insbesondere gilt das dann, wenn man auch berücksichtigt, welche
Einlagensicherung vorliegt. Die am besten verzinsten Angebote aus dem Ausland
unterliegen mitunter nicht der Deutschen Einlagensicherung, was das Risiko
steigert. Spätestens seit der Kaupthing-Pleite darf man dieses vormals nur
“theoretische Risiko” nicht mehr außer Acht lassen.

Als Lösung gibt es kaum ein
Patentrezept. Sicherlich können Sachwerte wie Immobilien, Aktien oder auch
Rohstoffe helfen, doch muss man hier – wenn man nicht selbst über vertiefte
Kenntnisse verfügt – auf die Beratung eines Fachmannes vertrauen, was auch
nicht immer leicht ist. Generell gilt sicherlich, dass ein Mix immer
vorteilhaft ist, wobei man keinesfalls den Überblick verlieren darf. Man muss
stets in der Lage sein, die mit den jeweiligen Positionen verbundenen Risiken
einschätzen zu können, andernfalls droht ein böses Erwachen (beispielhaft seien
hierfür die Lehman-Zertifikate genannt, mit denen viele Menschen hierzulande
Geld verloren haben). Wer jedoch ein wenig Zeit investiert und vielleicht auch
das Portemonnaie für eine unabhängige Honorarberatung öffnet, der hat auch gute
Chancen, sein Vermögen gegen Inflation und andere Verlustbringer zu schützen. Fest
steht nur eines: Wer alles auf die Sicherheit des Sparbuches setzt, der gewinnt
nur eine Sicherheit, nämlich die des sicheren Verlusts an Kaufkraft durch
Inflation.

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